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Memorandum zum Reaktorunfall in Japan Warum niemand über den Nutzen der Kernkraft spricht Köln, 16. März 2011 - Die Berichterstattung über die aktuelle nukleare "Katastrophe" in Japan ist in höchstem Maße unverantwortlich. Dem allgemeinen Verständnis nach sollte der Journalismus sich zur Aufgabe machen, Ereignisse des Zeitgeschehens einzuordnen und zu kommentieren. Mit der Aufgabe einer angemessenen Bewertung von Technologierisiken ist der Journalismus - zumindest in Deutschland - derzeit augenscheinlich überfordert. Der vorliegende Text möchte dieses Defizit beheben. Schauen wir uns an, was in Japan passiert ist: Nach einem schweren Erdbeben ist es im Kernkraftwerk Fukushima I zu einer Serie von Unfällen gekommen. Mehrere Reaktoren sind betroffen. In der Folge ist die Radioaktivität in der unmittelbaren Umgebung des Kraftwerks angestiegen. Gesundheitliche Schäden sind nur bei einem längeren Aufenthalt in der nähe des Kraftwerks zu befürchten. Die engere Umgebung des Kraftwerks ist eventuell über längere Zeit nicht bewohnbar. Das ist zweifelsohne bedauerlich, steht jedoch in keinem Verhältnis zu den anderen Verwüstungen des Erdbebens. Eine Gefährdung von Menschen in Großstädten wie Tokio ist auszuschließen. Selbst als am 15. März der Wind vom Kraftwerk genau Richtung Tokio wehte, ist in der japanischen Hauptstadt die Radioaktivität lediglich um den Faktor 10 gegenüber der natürlichen Strahlung gestiegen. Bei jedem Langstreckenflug setzen sich Menschen dem 150-fachen der Strahlung auf Meereshöhe aus. Bei der Bewertung des Ereignisses kommt es jedoch zu einer erheblichen und folgenschweren Fehleinschätzung. Die Risiken der Kernenergie offenbaren sich nämlich anhand von zeitlich und räumlich klar definierten Unfallereignissen und werden daher systematisch überschätzt. Die Risiken der mit Abstand wichtigsten Alternativtechnologie, der Kohlekraft, sind hingegen zeitlich und räumlich diffus und kausal nur schwer zu erfassen. Es ist zwar unstrittig, dass in Folge eines wärmeren Weltklimas das Risiko von Wirbelstürmen erheblich zunimmt. Die Frage, ob der Hurrikan "Katrina", der die Stadt New Orleans verwüstete, von Kohlekraftwerken ausgelöst wurde, ist jedoch absurd. Ein chaotisches System wie die Erdatmosphäre lässt sich mit kausalen Betrachtungsweisen nicht angemessen beschreiben. Dennoch lassen sich die Folgen des Klimawandels, der zum Großteil auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe zurückzuführen ist, ökonomisch beziffern: Das Klimasekretariat der Vereinten Nationen schätzt die Kosten auf 500 Mrd. Dollar pro Jahr. Die Folgekosten der Tschernobyl-Katastrophe liegen Schätzungen zufolge nur bei 235 Mrd. Dollar - in 30 Jahren. Die Fehleinschätzung beim Vergleich augenfälliger und latenter Risiken war auch nach den Anschlägen vom 11. September zu beobachten. In Folge der Medienberichterstattung über das räumlich und zeitlich klar definierte Unglück wurde das Risiko von Flugreisen in den USA systematisch überbewertet. Die Menschen benutzten statt dessen das Auto. In den Folgemonaten kamen bei Autounfällen in den USA 150 Menschen mehr als gewöhnlich ums Leben. Opfer von Flugzeugabstürzen waren hingegen nicht zu beklagen. Zum Thema Kernkraft ist in Deutschland derzeit eine regelrechte Massenhysterie zu beobachten. Geigerzähler sind ausverkauft und Ökostromanbieter verzeichnen eine Verdreifachung der Vertragsabschlüsse. Anstatt diese Hysterie kritisch zu hinterfragen, wird sie von den Medien weiter befeuert. Die besonnenen Entscheidungen Chinas und Russlands, weiter in die Kernkraft zu investieren, werden in der deutschen Presse derzeit allenfalls sarkastisch kommentiert. Das ist in höchstem Maße unverantwortlich. Keine Frage, Kernkraft ist eine Risikotechnologie. Dass die derzeit einzige Alternative, die Kohlekraft, die gesamte Ökosphäre unseres Planten aufs Spiel setzt, wird bedauerlicherweise übersehen. Und das nur wegen eines simplen psychologischen Mechanismus. |
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